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23.06.2016 01:51

Nachruf Martin "Jumbo" Böttcher

Kategorie: Allgemein

Martin Böttcher ist im Mai 2016 im Alter von 81 Jahren von uns gegangen. Für die meisten von uns war er einfach „Jumbo“. Der Pfadfinderarbeit, in der CP und auch im VCP, war er sehr verbunden.

Sein Leben war geprägt von der Fürsorge für seine Mitmenschen. Er hatte immer ein offenes Ohr und Lösungen parat, auch wenn diese manchmal nicht in unser Raster passten. Er wusste, dass zum Erwachsen werden auch ausprobieren dürfen gehört. So durften wir ihn erleben, dafür sind wir ihm dankbar.

Viele von uns erinnern sich an unvergessliche Stunden mit ihm, haben mit ihm gesungen und diskutiert, haben mit ihm Lager und Freizeiten erlebt oder diese mit ihm gestaltet. Sein Lebensweg als Pfadfinder, aufgeschrieben von Hannes Weber, bot dafür unendlich viele Möglichkeiten.

Jumbo war Stammesführer in Ehningen. In dieser Zeit wurde z. B., auf dem Rückweg von einer Streife in den Schwarzwald, bei einer Vesperpause in Deckenpfronn beschlossen, an diesem Ort eine CP-Gruppe zu gründen. Der Plan wurde in die Tat umgesetzt.

Mit vier Pfadfindern in einer Kohte fingen die Berg- und Skifreizeiten in Reschen an. Das Schlössle war das nächste Quartier und schließlich wurde das Haus auf Schöneben, mit Skilift im Haus, belegt. In den 70er Jahren, der Zeit des Übergangs in die koedukative und demokratische Pfadfinderinnen- und Pfadfinderarbeit, waren die Freizeiten in Reschen (Schöneben) immer auch eine Zeit zur persönlichen Um- und Neuorientierung. Jumbo gestaltete diese Freizeiten so, dass geistlich, geistig, musisch und körperlich (im pfadfinderischen Sinn "ganzheitlich") für die TeilnehmerInnen ein Gewinn heraus kam.

Als Gauführer des Gau Schönbuch-Würm war Jumbo Thingberechtigter im Landesmarkthing, dem Gremium das z. B. über die Teilnahme an Bundeslagern oder der Durchführung von Landesmarklager entschied. Wie damals üblich, gelangte der Gau Schönbuch-Würm zum CPD-Bundeslager 1960 im Donautal bei Friedingen mit dem Fahrrad, mit kompletter Lagerausrüstung und Verpflegung für zwei Tage, der Gauführer Jumbo vorneweg, über den Lochenpass ins Donautal und nach 10 Lagertagen wieder zurück. Beim Landesmarklager 1962 war Jumbo Bürgermeister der Stadt Königsberg. Wer will, kann ihn in "Jumbofigur" auf der CD-Dokumentation vom Landesmarklager 1962 besichtigen. 1966, beim letzten Württemberger Landesmarklager in den Vogesen bei Metzeral, mit sehr viel Regen, ging Jumbo als der Mann mit Badehose und Schaffell in die Geschichte ein. In Kandersteg 1970 fand das  erste koedukative Zeltlager des CPB (Christlichen Pfadfinderinnen- und Pfadfinderbund in Württemberg) statt. Jumbo, als Leiter der Vogtei, hatte mit dafür zu sorgen, dass es ein koedukatives Lager war, aber die Geschlechter noch strikt getrennt lagerten. Schließlich war der Kuppelei-Paragraph noch in Kraft!

Von April 1971 bis 1974 war Jumbo hauptamtlicher Gaujugendreferent, bis 1973 des CPB in Württemberg und nach der Fusion auf Bundesebene, des VCP Land Württemberg.

Jumbo war für die Gaue, Stämme, Siedlungen und Gruppen in der Prälatur Reutlingen, plus Gau Rems-Murr, zuständig. Unterstützung der Gau-, Stammes- und Gruppenführungen bei Schulungen, Lagern, Veranstaltungen, Gottesdiensten, Landesjugendplan-Anträgen und -Abrechnungen, Erstellen von Arbeitshilfen, z. B. für "Mach mit" usw. gehörten zu seinen Aufgaben.

Dies alles in einer Zeit der Umorientierung vom Führersystem auf demokratische Strukturen.

So kam es, dass es zu Jumbos Landesaufgaben, z. B. bei MitarbeiterInnen Schulungen, auch dazugehörte, dass die Schulungsräume in Beilstein und auf dem Schachen neu gestrichen, Holzdecken erneuert und für jedes Lager, Feuer-, Stangen- und Bauholz geschlagen, gesägt und auf den Schachen transportiert werden mussten. Mit dieser Beschreibung ist angedeutet wo Jumbos große Taten für den VCP stattfanden. Er schaffte die Verbindung von Alt zu Jung, von charismatischem Führer sein zum Teammenschen, er war Vorbild dafür: Wer Gott vertraut, der vermag alles. Die ersten Boote, die vom Schachen aus die Lauter und Lauchert befuhren, waren vom VCP Ebingen selbstgebaut und von Jumbo angeheuert bzw. ausgeliehen worden

Nach seinem Wechsel ins Ev. Jugendwerk Heilbronn, Bezirk West, war er beteiligt am Aufbau der Siedlung/Stamm Vulkan in Böckingen. Auch beim Entstehen des VCP Wimpfen war er beteiligt. Etliche Gauveranstaltungen und Schulungen gestaltete er mit. Bei seinen Freizeiten in Reschen waren immer VCP-Mitglieder (auch Landesweit) dabei. Seine Bezirkszeltlager auf dem Schachen sind unvergessliche Legende - zumindest bei den TeinehmernInnen. Im gesamten Jugendwerk Heilbronn und landesweit z. B. bei den Konventen der Jugendreferenten war er der "Pfadfinder". In der Älterenschaft der Heilbronner Pfadfinderei hat er das Programm, solange er es körperlich und geistig konnte, mitgestaltet und altersgemäß war er Mitglied im Freundes- und Förderkreis und nahm, je nach körperlicher Befindlichkeit, an Versammlungen und Unternehmungen teil.

Jumbo war - nicht nur für mich - Pfadfinderbruder und Vorbild, ein glaubwürdiger und mutmachender Christ und Pfadfinder, eben ein CPer und VCPer mit Leib, Seele und Gemüt. Deshalb wünsche ich ihm "Allzeit Gut Pfad" auf seinem Weg in die Ewigkeit, in den Schoß Gottes - wie er es zu sagen pflegte.

Hannes

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